Hier ein kleiner Ausschnitt aus einigen unserer Ausstellungstafeln:
Von der vorkolonialen Zeit zum deutschen Schutzgebiet
Noch vor den Kaufleuten, Militärs, Abenteurern und Siedlern kamen Missionare ins Gebiet des heutigen Namibia. Ihre Arbeit an Übersetzungen, Sprach- und Wörterbüchern, ihre Bemühungen um eine Aufzeichnung vom Kulturgut der einheimischen Völker und der Aufbau von Schulen und Gemeinden begründeten erste kulturelle Kontakte.Europäer brachten allerdings außer ihrer Religion, Handelsgütern und landwirtschaftlichem Gerät auch Militärtaktik und Waffen ins Land. Mit der Ankunft von Heinrich Vogelsang, Stellvertreter des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz, begann im Jahr 1883 die koloniale Erschließung, die seit 1884/85 unter dem Schutz des Deutschen Reiches stattfand: Durch Kauf- bzw. Schutzverträge und militärische Präsenz trieben deutsche Kaufleute und die Reichsregierung die Landnahme in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika voran.
Die im Vergleich mit anderen europäischen Ländern "verspäteten" deutschen Koloniegründungen sollten den Großmachtanspruch des Deutschen Reiches untermauern. Der Ausbau der deutschen Position in Südwestafrika fand unter den Augen und mit Duldung europäischer Mächte statt.
Nach außen wurde er durch englische und portugiesische Interessensphären in Südafrika bzw. Angola begrenzt. Die bis heute gültigen Grenzen Namibias (einschließlich ihrer Probleme) basieren im Wesentlichen auf den Absprachen der Kolonialmächte (Berliner Konferenz von 1884, Helgoland-Sansibar-Vertrag von 1890). Nach innen trieben die Deutschen mit der Zuweisung von Reservaten und dem Einsatz ökonomischer Druckmittel die einheimischen Bevölkerungsgruppen in immer größere Abhängigkeit. Die Deutschen wurden zu Herren im Land.
Von der deutschen Kolonialzeit zur Vormachtstellung Südafrikas
Die deutschen Streitkräfte, die nach dem Ende der Aufstände wieder stark reduziert worden waren, bekamen es nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges im August 1914 und der südafrikanischen Kriegserklärung vom 9. September 1914 mit einem übermächtigen Gegner zu tun.Zu Beginn des Jahres 1915 räumte die Schutztruppe den Süden, dann die Mitte des Landes, bevor am 9. Juli ein Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet wurde. Das Land wurde nun von Soldaten der südafrikanischen Union besetzt.
Im Versailler Vertrag von 1919 verlor Deutschland alle Ansprüche auf kolonialen Besitz. In Südwestafrika übernahm formal der Völkerbund die Regierungsverantwortung. 1920 erklärte er das Land zum Mandantsgebiet Südafrikas. An die damit verbundenen Auflagen hielt sich die Regierung in Johannesburg allerdings nicht. De factro blieb das Land eine Kolonie, und nur wenig wurde getan, was der einheimischen Bevölkerung selbst zugute kam. So überraschte es nicht, dass sich bereits 1922 erster Widerstand gegen Südafrika erhob.
Mit der Verschärfung der Rassengesetzgebung durch die südafrikanische Regierung nach dem 2. Weltkrieg wurden die Rufe nach Unabhängigkeit lauter. In den 60er Jahren formierte sich der politische und militärische Widerstand. Sein wichtigster Träger wurde die SWAPO unter Sam Nujoma.Die Einbettung des Konfliktes in die globalen Fronten des Kalten Krieges erschwerte über viele Jahre die Suche nach Lösungen. Erst gegen Ende der 80er Jahre führten Verträge zur Entflechtung der Situation und schließlich zum Rückzug Südafrikas aus dem Land. Mit der Rückkehr von Exilanten und Flüchtlingen, unter ihnen auch Nujoma, waren die Weichen für Unabhängigkeit und Autonomie gestellt.